Weinlese auf Wolkenberg
Weinlese auf dem Wolkenberg: Zwischen Baggern, Elefanten und Amphoren
Früh morgens machte sich eine Gruppe motivierter Vinissimas der Regionalgruppe Berlin-Brandenburg auf den Weg nach Welzow in die Lausitz. Das Ziel: Das Weingut Wolkenberg. Wo einst Braunkohle abgebaggert wurde, erstreckt sich heute eine beeindruckende Rekultivierungsfläche, die akribisch nach genauen Parametern wie Hangneigung, Reihenabständen und Ausrichtung für den Weinbau gestaltet wurde.
Um 9:00 Uhr empfing uns Bettina Muthmann (Gastgeberin und Vinissima-Interessentin) bei bestem Wetter strahlend auf dem Weinberg. Nach einer geschichtlichen Einführung, einer kurzen Einweisung und der Ausgabe der Lese-Eimer inklusive Scheren ging es direkt los in die Rebzeilen zur Grauburgunder-Lese. Die Rebsorte zeigte sich von ihrer faszinierendsten Seite: Als Mutationstyp präsentierten sich die Beeren an den Stöcken mal weiß, mal rosé, mal lila – und an manchen Trauben sogar perfekt zur Hälfte weiß und zur Hälfte lila.
Das Terroir begeistert mit unnachahmlichen Anekdoten: Die Reben wachsen nicht nur auf Bergbaufolgeland in Sichtweite gigantischer Schaufelradbagger beziehungsweise der Förderbrücke F60, sondern werden auch exklusiv mit Dünger der Elefanten aus dem Tierpark Cottbus versorgt. Zudem setzt das Weingut bewusst nicht auf PIWIs, sondern auf seltene Rebsorten wie Kernling oder Schönburger. Beide konnten wir später verkosten – sie haben uns mit ihrer Frische und ihren feinen Aromen sehr beeindruckt.
Nach vier Stunden fleißiger Lese kamen wir um 13:00 Uhr zu einem köstlichen gemeinsamen Mittagessen unter strahlend blauem Himmel zusammen. Beim Lunch berichtete Bettina mit viel Humor von ihren Erfahrungen mit dem brandneuen, hochtechnologisierten Weinbergstrecker, dessen Steuerung echtes Hands-on-Training verlangte – und davon, wie Frau mal eben so ein ganzes Weingut auf die Beine stellt! Auch der Weg nach oben auf den Weinberg bot sein ganz eigenes Abenteuer: Bettina gab uns kurzerhand einen praktischen Lift bei geöffneter Heckklappe im Kofferraum ihres Autos über das Plateau – so passten wir alle auf einmal hinein!
Um 15:00 Uhr ging es weiter zur 11 Kilometer entfernten Kellerei nach Welzow. Auch hier zeigt sich wieder, wie erfolgreich Pragmatismus sein kann: Ein umgebauter Supermarkt ist zu einem hochmodernen Weinkeller mit angegliederter Vinothek und Restaurant geworden. Diplom-Önologe Alexander Heer übernahm die Führung durch die Räumlichkeiten, in denen hochmoderne State-of-the-Art-Kellermaschinentechnik mit gläsernen Gärspunden auf traditionelles Handwerk trifft. Das Weingut Wolkenberg besitzt mittlerweile eine der beeindruckendsten und umfangreichsten Ton-Amphorensammlungen, die wir je gesehen haben. Alexander Heer erklärte uns anschaulich, wie der Ausbau im Tongefäß dem Wein seine feine Textur und Vielschichtigkeit verleiht. Da sich vieles noch in der Entwicklung befindet, darf man sehr gespannt sein!
Ebenso konnten wir hautnah miterleben, wie die frisch von uns gelesenen Grauburgundertrauben angeliefert, gepresst und verarbeitet wurden. Die Wege sind nun kurz: Seit dem Bau der eigenen Kelter spart sich das Weingut einen Transportweg von über 90 Kilometern bis zum nächsten Betrieb! Im Anschluss an die Besichtigung verkosteten wir die Wolkenberg-Weine direkt vor Ort – darunter spannende Kreationen wie den Roten Riesling oder die beiden oben bereits erwähnten Rebsorten.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an unsere Interessentin Bettina Muthmann und ihr Team für einen inspirierenden Tag voller Fachwissen, Einblicke und beeindruckender Frauenpower. Wir kommen auf jeden Fall wieder!
Text: Nicole Wolbers
Fotos: Vinissima Berlin-Brandenburg