Weinprüfung hautnah – Ein Blick hinter die Kulissen im Dezernat
Hinter den Kulissen – Weinsensorik im Dezernat Weinbau Eltville
Für die beiden hessischen Anbaugebiete ist das Regierungspräsidium Darmstadt, Dezernat Weinbau mit der Durchführung der Qualitätsprüfung für Wein, Sekt und Branntwein beauftragt. Nach analytischen und sensorischen Überprüfungen wird die „Amtliche Prüfnummer“ vergeben, ohne die Qualitätsweine in Deutschland nicht in Verkehr kommen dürfen.
So werden hier jährlich tausende von eingereichten Weine von einer geschulten und unabhängigen Prüfkomission verdeckt verkostet und bewertet. Auch die alljährliche Landeswein-und Sektprämierung wird hier für die Anbaugebiete Rheingau und Hessische Bergstrasse nach einem international anerkannten Prüfverfahren mit einer erfahrenen Expertenkomission durchgeführt.
Exklusiv für Vinissima öffnete die Prüfstelle Eltville ihre Türen und gewährte Einblick in die tägliche Arbeit beim sensorischen Beurteilen und Bewerten der eingereichten Weine/Sekte. Als langjährige Prüferin bei AP-Probe und Landesweinprämierung war es mir möglich, diese Veranstaltung für uns Vinissima zu organisieren und die beiden Prüfstellen-Verantwortlichen Daniel Moschell und Maximilian Brückner für die Durchführung unseres Seminars zu gewinnen.
Pünktlich um 14 Uhr nahm Max Brückner die Teilnehmerinnen am Haupteingang in Empfang, nach einem kleinen Rundgang durch Probenannahme und Probenvorbereitung ging es in den Sensorikraum an die insgesamt elf Prüfplätze.
Mit einem anschaulich dokumentierten ausführlichen Exkurs zu (gesetzlichen) Regularien, Ablauf und Organisation der Qualitätsprüfung, der Landesweinprämierung sowie zur Prüfertätigkeit startete unser Nachmittag. Weiter ging es mit theoretischen Grundlagen rund um die Weinsensorik. Mit regem Interesset und vielen Fragen waren alle dabei – die ersten zwei Stunden vergingen im Nu und die Zeit drängte, uns der Verkostungspraxis zu widmen.
Zuerst durften wir unseren Geruchssinn fordern – von Cassis bis Grapefruit, Vanille, Drops oder Holz galt es, vielfältige Aromen in schwarzen Gläsern zu erschnuppern. Um Reiz-und Erkennungsschwellen der Grundgeschmacksarten ging es beim folgenden Geschmackstest, bevor die berüchtigte Dreiecksprüfung - von drei Weinen ist einer, der geringfügig verändert wurde zu benennen - für hochkonzentriertes Probieren sorgte.
Theorie und Praxis rund um die gängigsten Weinfehler wurde olfaktorisch eindrucksvoll an vorher präparierten Weinen demonstriert – UTA, TCA, Ethylacetat, Diacetyl, Oxidation oder Pilz wurden von uns tapfer unter dem Motto „nur riechen – nicht schlucken“ erkundet. Einig waren wir, das wir uns nun auf einen richtig guten Wein freuen, wie er möglicherweise beim letzten Programmpunkt, unserer simulierten AP-Prüfung vorkommen könnte. Aus Zeitgründen konnten wir jedoch nur einen Flight - fünf von zwanzig vorbereiteten Proben - blind nach dem DLG-5 Punkteschema bewerten. Aber dank Max sorgsamer Zusammenstellung waren auch erfreulich hochwertige Tropfen dabei. Nach vier gut ausgefüllten, lehrreichen Stunden ließen wir den Abend in der „Weinstube Gelbes Haus“ Eltville bei feinem Rheingauer Wein und guten Gesprächen ausklingen.
Danke an das Dezernat Weinbau, das uns dieses Seminar in seinen Räumen ermöglicht hat.
Text: Claudia Rehm
Fotos: Claudia Rehm