Vinissima goes Heilbronn
Die Weinbranche befindet sich im Wandel wie kaum zuvor: Steigende Kosten und verändertes Konsumverhalten, Generationswechsel in den Betrieben, Vermarktungsschwierigkeiten und Preisfindung – all das fordert Winzerinnen gleichermaßen heraus. Gleichzeitig eröffnen Megatrends, technologische Innovationen und veränderte Zielgruppen neue Chancen: für klarere Positionierung, innovative Produkte und Verpackungsformen, moderne Kommunikation und zukunftsfähige Geschäftsmodelle.
Am 20. April 2026 trafen sich 34 Vinissima-Frauen ganztägig auf dem Campus der DHBW Heilbronn zum diesjährigen „Vinissima Future in Wine“-Treffen.
Auf Einladung unserer Vinissima Martina Boehm durften wir erneut einen Tag lang in aktuelle Forschungs- und Praxisthemen rund um „Wein in der Zukunft“ eintauchen. Der Tag stand dabei ganz im Zeichen dessen, was Vinissima ausmacht: Ein starkes, wertschätzendes Netzwerk von Frauen, die Verantwortung tragen und gemeinsam weiterkommen wollen. Der Austausch auf Augenhöhe, das Entstehen und Pflegen von Freundschaften und der bewusste Perspektivenwechsel ist all das, was Vinissima ausmacht.
Nach der Begrüßung und einem ersten Vernetzen starteten wir in ein vielseitiges, hochaktuelles Programm. Den Auftakt machte das Thema Künstliche Intelligenz:
KI & Pricing – Wie Künstliche Intelligenz die richtige Preispositionierung unterstützen kann Referent: Prof. Dr. Oliver Janz, Studiengangsleiter Handel Fashion Management, DHBW Heilbronn
Anhand praxisnaher Beispiele zeigte Prof. Janz, wie KI-gestützte Analysen helfen können, Preise strategisch zu setzen, Märkte besser zu verstehen und Spielräume in der Preisgestaltung zu nutzen. Ein spannender Einblick in ein Feld, das auch für kleine und mittlere Weinbetriebe immer relevanter wird.
Unternehmensnachfolge – emotionale Herausforderung, betriebswirtschaftliche Notwendigkeit Referent: Prof. Dr. Stephan Klock, DHBW Heilbronn
Der Vortrag beleuchtete nicht nur die betriebswirtschaftlichen Aspekte der Nachfolgeplanung, sondern auch die emotionalen Dimensionen innerhalb der Familie. Deutlich wurde: Erfolgreiche Übergaben brauchen frühzeitige Planung, Offenheit – und den Mut, Dinge klar anzusprechen.
Mit einem Perspektivwechsel in die digitale Welt ging es weiter:
Strategische Nutzung Sozialer Medien in der Weinbranche – Was macht für wen Sinn? Referenten: Sebastian Hartleib & Jan Schönfelder, Intosocial
Die beiden Social-Media-Experten gaben einen Überblick, welche Kanäle sich für welche Zielgruppen eignen, wie authentisches Storytelling aussehen kann und wo sich Aufwand tatsächlich lohnt. Viele von uns nahmen konkrete Ideen mit, wie sich Reichweite, Sichtbarkeit und Markenprofil im Netz schärfen lassen.
Trollinger-Projekt & Positionierung – Einblicke aus dem gemeinsamen Projekt der LVWO Weinsberg und DHBW Heilbronn Referentin: Lena Holzwarth-Eisele, Staatliche Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg
Lena Holzwarth-Eisele gab Einblicke in das gemeinsame Trollinger-Projekt und zeigte, wie sich eine Traditionssorte zeitgemäß profilieren und neu erzählen lässt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Wie lässt sich Trollinger so erzählen, gestalten und empfehlen, dass er für heutige Konsument:innen wieder spannend wird? Dazu werden sensorische Profile, Zielgruppen und passende Foodpairings untersucht.
Nach einer gemeinsamen Mittagspause im Restaurant Campus Garden – bei der Vernetzung und persönliche Gespräche selbstverständlich nicht zu kurz kamen – ging es am Nachmittag spannend weiter. Hier rückten nun Markt- und Zukunftstrends in den Fokus:
Marktforschung, Megatrends & KI-Anwendungen in der Lebensmittel- und Getränkebranche – Implikationen für die Weinbranche Referent: Reiner Graul, Bormann & Gordon / Synthexa
Die Teilnehmerinnen erhielten einen Überblick über zentrale gesellschaftliche und technologische Trends sowie deren Auswirkungen auf das Konsumverhalten und den Weinmarkt. Besonders spannend: Wie auch kleine bis mittelgroße Betriebe mithilfe von KI verschiedene Bereiche ihres Unternehmens analysieren und optimieren können.
Weintrends & alternative Verpackungsformen (plus Verkostung) – Was setzt sich am Markt durch? Referent:innen: Vinissima Sabine Wagner & Ralf Weilbächer, Les Grands Chais de France
Im Zusammenspiel von Fachinput und Verkostung diskutierten wir, welche Trends bereits von GCF aufgegriffen und in unterschiedlichen Märkten realisiert werden: von NoLow, über RTDs bis hin zu alternativen Verpackungen – wie Bag-in-Box oder Dose. Wichtig ist, alle Ausgangsüberlegungen beginnen mit dem Endverbraucher. Dies ist die Grundvoraussetzung, um innovative Konzepte und neue Produkte mit echten Chancen im Markt zu platzieren. Manch eine von uns musste dabei liebgewonnene Annahmen überdenken.
Zum Abschluss nahm uns unsere Vinissima Magali Blank mit in die Kellerpraxis.
CO₂ als Stilmittel – Weinstilistik neu denken Referentin: Vinissima Magali Blank, Leiterin Versuchskeller der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg
In ihrem Vortrag zeigte sie anhand praktischer Beispiele aus Rotwein und Rosé, wie Kohlensäure ganz bewusst als sensorisches Stilmittel eingesetzt werden kann. CO₂ ist messbar, wahrnehmbar und bewertbar – und beeinflusst Frische, Säureeindruck, Bitterkeit und Mundgefühl deutlich. Magali zeigte zudem, wie sich CO₂ in der Kellerpraxis gezielt steuern lässt – und stellte die zentrale Frage: Welche Gehalte sind für welchen Weinstil „genau richtig“?
Viel zu schnell verging dieser intensive Tag. Vollgepackt mit neuen Eindrücken, Anregungen und konkreten Ideen für die praktische Umsetzung in den eigenen Betrieben machten wir uns auf den Heimweg.
Unser herzlicher Dank gilt Vinissima Martina Boehm, dem Team des Studiengangs Wein-Technologie-Managements sowie allen Referent:innen für die Organisation und die offenen Einblicke in Forschung und Praxis.
Wir freuen uns sehr über das Signal, dieses „Vinissima Future in Wine“-Treffen auch in Zukunft jährlich fortführen zu wollen – als festen Termin, um gemeinsam nach vorne zu schauen und die Zukunft des Weines aktiv mitzugestalten.
>>Save the date: 19. April 2027<<
Text: Barbara Frey
Fotos: Barbara Frey