35 Jahre Vinissima
Den Wert von Vinissima betonte Bundestagspräsidentin und unser langjähriges Mitglied Julia Klöckner bei einem Galadinner: „Es ist großartig, dass sich Frauen aus ganz unterschiedlichen Gewerken zusammentun, sich gegenseitig unterstützen und so zeigen, was sie können.“ Und sie ergänzte: „Wenn wir in der Gesellschaft die Talente von Frauen nicht einbinden, dann fehlt die Hälfte.“
Eine kritische Bestandsaufnahme kam von Barbara Wanner, eine der sieben Vinissima-Gründerinnen und CEO bei Organize Communications. Vieles hat sich, so Wanner, in den letzten Jahren verbessert. Aber: Gleichstellung sei längst nicht erreicht. „Das Patriarchat ist ja nicht verschwunden. Schon gar nicht in der Weinbranche.“ Gerade die aktuelle Zeit, die von multiplen Krisen geprägt ist, sei für Frauen eine Gefahr: „Sobald es eng wird, kippen Strukturen schnell zurück in alte Muster.“ Ihr Fazit: „Wir müssen noch stärker werden als Vinissima. Und wir müssen dabei feministischer sein denn je.“
Beate Schindler, Focus-Journalistin und ebenfalls Gründerin von Vinissima, erinnert sich an die Anfänge: „Wir hatten eine Vision. Wir hätten nur nie gedacht, dass es einmal fast 700 Frauen werden.“ Über die Bedeutung von Visionen sprach dann auch die neue Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts, Melanie Broyé-Engelkes. „Wenn Du keine Angst hast, mit Leidenschaft dabei bist und deine Leute mitnimmst, dann kannst Du Berge versetzen“, sagte sie.
Wie wichtig das gerade in dieser Zeit ist, machten auch die anderen Referentinnen deutlich. Selten war ein Vinissima-Netzwerkwochenende so politisch.
Angefangen bei der diesjährigen Schirmherrin. Hanka Mittelstädt ist Landwirtschaftsministerin und damit auch zuständig für rund 55 Hektar Rebfläche im nördlichen Bundesland. Sie sprach über die vielen Herausforderungen, die die Branche derzeit erlebt. Und ergänzte: „Dass wir Frauen besonders viel Kraft haben, muss ich in der Runde nicht betonen. Ich bin deshalb dankbar, dass es dieses Frauennetzwerk gibt.“
Mehr Unterstützung für die Branche fordert die aus der Pfalz stammende SPD-Bundestagsabgeordnete und Vinissima Isabel Mackensen-Geis auch von der Politik: „Leider ist es nicht selbstverständlich, dass auf Veranstaltungen der Bundesregierung deutscher Wein ausgeschenkt wird. Das muss sich ändern“, sagte die Politikerin und setzt sich unter anderem dafür im Parlamentarischen Weinforum ein.
Nach den Impulsen von Mackensen-Geis griff Susanne Schulze Bockeloh, Vizepräsidentin des Deutschen Bauernverbandes, die Bedeutung von Netzwerken und Sichtbarkeit für Frauen in der Praxis auf. Sie schilderte, wie Frauen sich in männerdominierten Strukturen behaupten und Schritt für Schritt Präsenz in Verbänden gewinnen können. Besonders schön: Gemeinsam mit sieben weiteren Verbänden haben der Deutsche Bauernverband und Vinissima anlässlich des internationalen Jahres der Frauen in der Landwirtschaft 2026 ein gemeinsames Positionspapier mit Forderungen veröffentlicht. (LINK)
Auch Sabine Rau griff die oft benannten multiplen Krisen auf. Spezialgebiet der Professorin sind Familienunternehmen. Sie betonte, dass Krisen auch eine Chance sein können – wenn man nicht in alten Strukturen verharrt. „Wir leben in Zeiten zwischen den Zeiten“, sagte sie. „Alte Regeln gelten nicht mehr und neue haben wir noch nicht verhandelt.“
Eine Geschichte der Krisen hat auch der Weinbau in Brandenburg erlebt, berichtete anschließend Peter Schubert, Weinbau-Referent im brandenburgischen Landwirtschaftsministerium – und fasste im Schnelldurchlauf die bewegte Geschichte seit dem 12. Jahrhundert zusammen. Seit 1990 erlebt der Weinbau im Land ein Comeback.
Darauf folgte eine Verkostung brandenburgischer Weine, durchgeführt von Vinissima Angela Setzermann. Dabei waren außerdem die Winzerinnen Bettina Muthmann und Katharina Lindicke, die von den Anfängen, Herausforderungen und Chancen des nördlichen Weinbaus berichteten. Die neun verkosteten Weine, darunter einige aus PIWI-Reben, zeigten, welches Potenzial Brandenburg bietet.
Ein großes Dankeschön geht an alle Referentinnen und den Referenten, die uns inspiriert haben. Natürlich an den Vinissima-Vorstand, die Geschäftsstelle und die Regionalgruppe Berlin-Brandenburg für die großartige Organisation und liebevolle Umsetzung des Jubiläums-Netzwerkwochenendes.
Danke auch an die Berliner Vertretung des Landes Brandenburg, dass wir hier tagen durften. An die Hafenküche und die Wartehalle, dass wir hier zu Gast sein durften und gemeinsam feiern konnten.
Und natürlich gilt unser größter Dank unseren sieben Gründerinnen – Beate Klingenmeier, Beate Wiedemann, Andrea Engler-Waibel, Michaela Funk, Beate Schindler, Barbara Wanner und Alixe Winter – die vor 35 Jahren eine Vision hatten und dieses Netzwerk gegründet haben.
Text: Christiane Meister-Mathieu
Fotos: Catharina Bannert