Mosel-Exkursion --> der Bericht
Dienstag, 13.07.2010Donnerstag, 01.01.1970 - Donnerstag, 01.01.1970Nittel. Während einer dreitägigen Fachexkursion besichtigten 43 Vinissima aus dem gesamten Bundesgebiet Weingüter und Kulturdenkmäler an der französischen, luxemburgischen und deutschen Mosel, informierten sich über grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Das Netzwerk "Vinissma - Frauen & Wein e.V." wurde 1991 am Kaiserstuhl gegründet und zählt inzwischen bundesweit über 350 Mitglieder – Winzerinnen, Weinhändlerinnen, Weinwissenschaftlerinnen, Journalistinnen, Landmaschinenhändlerinnen, Köchinnen ... "Wir lernen viel und gerne voneinander" sagt Bundesvorsitzende Ulrike Lenhardt "diese ehrenamtlich organisierten Fachexkursionen sind ein wichtiger Teil unseres Jahresprogrammes. Bei der Organisation und den Veranstaltungen selbst lernen wir uns besser kennen und können so, oft alte, männergeprägte Strukturen in der Weinwirtschaft miteinander vernetzen. Info-Veranstaltungen zur Weinmarktreform gehören ebenso zum Programm wie Entspannungstage, Körpersprache-Seminare ebenso wie Workshops zwischen Händlerinnen und Winzerinnen."
Zum Exkursions-Auftakt gab es das einmal jährlich stattfindende Diner oenologique, bei dem die Mitglieder des regionen- und generationenübergreifenden Netzwerkes die Weine der Region als Begleiter eines Menüs der luxemburgischen Köchin Lea Linster kennenlernten. Die Sterneköchin gehört dem Netzwerk inzwischen ebenso an wie die Remicher Winzerin Anouk Bastian. Die Luxemburgerin hatte, ehe sie in Reims Weinbau studierte und dann in den elterlichen Betrieb "Matthis Bastian" einstieg, in Strassbourg Jura studiert und als Juristin gearbeitet. Im Weingut "Château de Vaux" in Vaux bei Metz stellte Marie-Genevieve Molozay das Weingut vor, das sie zusammen mit ihrem Mann führt.
Dr. Stephan Reuter, Weinbauamtsleiter in Wittlich, und Luxemburgs Winzervereinspräsident Marc Weyer berichteten den Weinfachfrauen von der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Projekt "Terroir Moselle", dem "Europäischen Projekt der Winzer im Moseltal", wo an der französischen Mosel 55 Weingüter, in Luxemburg 500, im Saarland 33 und in Rheinland-Pfalz 3379 Weingüter Weine erzeugen. Diskutiert wurden auch unterschiedliche Anwendungen von EU-Programmen. Dr. Stephan Reuter zitierte zudem aus der Broschüre "Moselwein zur Blütezeit" - vor einhundert Jahren standen Moselweine höchstpreisig auf den Weinkarten der exklusivsten Restaurants der Welt.
Unterschiedliche Böden, Rebsorten und Philosophien lernten die Fachfrauen auch bei einem Besuch bei Vinissima Carina Curmann-Dostert in Nittel kennen. Zum Familienweingut "Matthias Dostert" gehört das Restaurant "Culinarium", das sie gemeinsam mit ihrem Mann Walter Curmann führt, der zudem in seiner Kochschule lehrt. Eine abendliche Verkostung von Weinen der Vinissima der Regionalgruppe "Rund um Mosel und Ahr" gab es in der "Sektscheune" der Familie von Annelie Zilliken in Nittel. Nittel war der Ausgangsort aller Unternehmungen. An der Obermosel besuchten die Weinfachfrauen zudem das Weingut "Schloss Thorn" von Dr. Baron Hobe-Gelting, wo neben der Obermosel-Spezialität Elbling und den dort häufig kultivierten Burgunderweinen auch Mosel-Exoten wie "Roter Elbling" verkostet wurden. Schloss Thorn liegt unweit des französischen Chateau Malbrouck, dessen Ausstellung mit den lebensfrohen, kraftvollen "Nanas" der Künstlerin Niki de Saint-Phalle ebenfalls auf dem Tourprogramm stand.
Dann verließen die Frauen das kalkgeprägte Tal der Obermosel, die "Südliche Weinmosel", und fuhren hinüber zur Saar, wo die Reben wie an Mittel- und Untermosel auf Schieferböden wachsen. Dort ging es ausschließlich um Riesling. Zur Stärkung gab es ein "Kulinarisches Weinkulturlandschaftserlebnis" im Weingut Florian Lauer in Ayl an der Saar ehe die Fachfrauen andächtig den Scharzhofberg besichtigten und Rieslinge von Egon Müller, Scharzhof/ Wiltingen, verkosteten. Schweigend genossen die Fachfrauen den Höhepunkt der Tour: eine 1989er Scharzhofberger Trockenbeerenauslese.
Annette Köwerich






